Zeitschrift des
Stenographen-Zentralvereins Gabelsberger in München e. V. - gegr. 1849
Mitteilungen des Bayer. Stenographenverbandes e. V. und
der bayerischen Stenografenvereine
137. Jahrgang München, Okt./Nov./Dez. 2004 Nummer 4
Inhalt
Das kurze Leben der Sophie Scholl (Die Weiße Rose und die Rolle der Stenographie darin) 49
Szene – Automation – Vereinsleben 51
Staatliche Prüfung für Textverarbeitung 2004 60
Vorstellung des Tastatur-Lernprogramms fiellascript im Rahmen der Fachlehrerausbildung 61
Das kurze Leben der Sophie Scholl
(Die Weiße Rose und die Rolle der Stenographie)
Sophie Scholl wurde nur 20 Jahre alt, dann wurde das Mädchen vom NS-Regime zum Tode verurteilt und geköpft. Die Schwester von Sophie Scholl, Inge Aicher-Scholl, berichtete neben anderen Zeitzeugen bereits mehrere Male vor den Schülerinnen des Sophie-Scholl-Gymnasiums in München über das Leben im Dritten Reich, um die Erinnerung an die „Weiße Rose“, einer studentischen Widerstandsgruppe, in Erinnerung zu halten. Zeitzeugen sind ja bereits begehrte Gäste an Münchner Schulen, weil die letzten Zeugen des NS-Regimes bald aussterben. Nach ihren Vorträgen vor den jungen Schülern entwickelt sich aber sehr selten eine Diskussion, weil das Gehörte den Schülern zu mächtig und bedrückend erscheint, um ohne eigene Erfahrung darüber etwas zu sagen. Neben dem Sophie-Scholl-Gymnasium gibt es noch eine zweite Schule in München, die nach einem Mitglied der Widerstandsgruppe benannt wurde, nämlich das Willi-Graf-Gymnasium in der Nähe des Scheidplatzes. Eine 9. Klasse hat seine Biographie recherchiert und mit Photos in die Homepage der Schule gestellt (www.wgg.musin.de). Frau Knoop-Graf kommt jährlich dorthin und erzählt, wie gefährlich das Leben in der NS-Zeit für nicht konforme Deutsche war. Sophie Scholl und Willi Graf haben nie eine Münchner Schule besucht. Aber Christoph Probst und Alexander Schmorell gingen zu ihrer Zeit in das Albert-Einstein-Gymnasium (damals Neues Realgymnasium) und waren maßgeblich an der seinerzeitigen Flugblattaktion beteiligt, indem sie Flyers – damals hießen sie noch nicht so – von der Empore der Münchner Universität flattern ließen, wo der Hausmeister sie auflas und sofort Anzeige erstattete. Auf der Homepage des Willi-Graf-Gymnasiums wird in schwarzen Lettern auf rotem Grund zitiert: „Es war wichtig, was wir getan haben“! Für die NS-Herrschaft war es eine unerhörte Provokation, denn sie traf die Diktatur mitten in ihrem Meinungs- und Kommunikationsmonopol. Die Widerstandsgruppe wollte in schlimmer Zeit eine Gegenmacht sichtbar machen und auf die Immoralität des Systems hinweisen, und zwar zu einem für das Regime kritischen Zeitpunkt, nämlich nach dem Untergang der gesamten 6. Armee vor Stalingrad, wo 300.000 deutsche Soldaten elendig starben.
Die Stenographie spielte im Leben der Sophie Scholl eine kleine Nebenrolle, als das junge Mädchen im Gefängnis saß und nur von ausgesuchten Leuten für ganz kurze Zeit besucht werden durfte. Die Widerstandsgruppe hatte sich erhofft, dass von der Flugblattaktion, aber auch von ihrer Verurteilung durch die Nazis, ein Ruck durch die Studentenschaft aufrüttelnd ergehen werde. Nichts aber dergleichen geschah, das deutsche Volk stand treu zu Hitler bis in den Untergang. Nach den Gesprächen im Gefängnis und den inzwischen veröffentlichen Gehörprotokollen ist sicher, dass Sophie Scholl meinte, ein baldiges Kriegsende würde dafür sorgen, dass die Haft nicht sehr lange dauern werde. Mit dem Tode rechnete sie nicht. Keiner kann ja heute urteilen, der nicht selbst in dieser Zeit einer täglichen Todesnähe gelebt hat. Lediglich einige Studenten erklärten, sie seien erschrocken gewesen von dem Gedanken des Gauleiters, der im Deutschen Museum Maßnahmen gegen die Studenten angekündigt hatte, nachdem noch eine Beschriftung mit dem Wort „Freiheit“ von einigen Studenten am Unieingang angepinselt worden war, nachdem das Urteil bekannt wurde. Da Sophie Scholl christlich erzogen worden war, verlangte sie einen Pfarrer für einen Besuch. Dieser soll auf ganz kleine Zettel einige Botschaften stenographiert und nach außen geschmuggelt haben. Dies war natürlich ein sehr gefährliches Unterfangen, denn hätte man diese Kassiber abgefangen, wäre der Mann sofort ebenfalls mit dem Tode bestraft worden.
Nun wurde vom Bayer. Landtag beschlossen, die Marmorbüste der Sophie Scholl in der Walhalla aufzustellen. Eigentlich hätte die ganze Gruppe der Weißen Rose dort hingehört. Bayern-König Ludwig I. hatte schon 1842 befohlen, dass bei den dort Verewigten „kein Stand, auch das weibliche Geschlecht nicht“ ausgeschlossen sei. Nun steht sie dort im Pantheon der Marmorlocken als 6. Frau nach der jüngsten Walhallesin, der seligen Karolina von Gerhardinger, die im 19. Jahrhundert die Mädchenbildung, sogar gegen die Auffassung ihres Bischofs, in Bayern durchgesetzt hatte. Der Einzug von Sophie Scholl ins nationale Marmorkabinett Bayerns ist also ein Akt von hoher symbolischer Bedeutung, „ein Zeichen gegen Rechts“, wie Ministerpräsident Stoiber betonte, um das Andenken der Weißen Rose im Gedächtnis der Deutschen lebendig zu halten.
Nach 60 Jahren entsteht nun am Lehrstuhl von Prof. Günther Hockert an der LMU die erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung über die Weiße Rose. Der junge Historiker Söhnke Zanckel sucht für seine Dissertation noch Zeitzeugen, die im Kontakt mit dem Widerstandskreis standen und unveröffentlichte schriftliche Dokumente (Briefe, Fotographien, Originalflugblätter) aufbewahrt haben. Wer hat was oder weiß was, bitte melden! (AZ vom 01.02.03)
Hakro
Mitteilungen des Bayerischen Stenografenverbandes e. V.
und der bayerischen Stenografenvereine
Am 16. Juni 2004 wurde unserem Bezirksvorsitzenden des Bezirksverbandes Schwaben, Schriftfreund Konrad Wiendl, vom Herrn Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, das ihm im Staatsministerium für Unterricht und Kultus überreicht wurde. Er erhielt diese hohe Auszeichnung für seine Verdienste um die Kurzschrift, seine Tätigkeiten im Bayerischen Stenografenverband und Bezirksverband Schwaben, seine Aktivitäten für die Musikschule Biberbach, den SC Biberbach und als Gemeinderat. Herzlichen Glückwunsch! (Eine ausführliche Würdigung der Verdienste von Schriftfreund Konrad Wiendl erfolgt in der nächsten Presseschau des BStV.)
Bayerisches Schülerleistungsschreiben 2004
Das diesjährige Bayerische Schülerleistungsschreiben, der älteste und größte Wettbewerb des Weltverbandes INTERSTENO, war mit 66.793 Teilnehmer(innen) aus 1.241 Schulen wieder ein voller Erfolg. Die Urkunden und Buchpreise konnten auch dieses Jahr rechtzeitig vor Ferienbeginn an die Schulen versandt werden. Es ist jedoch sehr bedauerlich, dass die Teilnehmerzahl in Kurzschrift erneut zurückgegangen ist. Landessieger wurden:
Texterfassung (PC/MS mit Korrektur – 10 Min.): Berufsfachschulen: Benjamin Hochmuth – Berufsfachschule f. kfm. Assistenten Wiesau: 4.372 Anschläge, 3 Fehler, Note 1, 4.072 Punkte. Berufsschulen: Emanuel Bauer – Berufl. Schulzentrum Matthäus Runtinger Regensburg: 5.759 Anschläge, 5 Fehler, Note 1, 5.259 Punkte; Gymnasien: Benjamin Dombert – Ludwigsgymnasium Straubing: 4.595 Anschläge, 0 Fehler, Note 1 a, 4.595 Punkte. Hauptschulen: Christoph Hintz – Hauptschule Ochsenfurt: 5.316 Anschläge, 4 Fehler, Note 1, 4.916 Punkte. Realschulen: Christian Deiß – Jakob-Sandtner-Schule, Staatl. RS f. Knaben Straubing: 4.225 Anschläge, 2 Fehler, Note 1, 4.025 Punkte. Wirtschaftsschulen: Sabine Appel – Städt. Wirtschaftsschule Friedrich Arnold Amberg: 4.041 Anschläge, 2 Fehler, Note 1, 3.841 Punkte
Kurzschrift (3 Min. gleichbleibend): Gymnasien: Cornelia Rohrmeier – Ludwigsgymnasium Straubing: 80 Silben, 7 Fehlerpunkte, Note 1. Realschulen: Tina Wagner – Maria-Ward-Mädchenrealschule Wallerstein 100 Silben, 0 Fehlerpunkte, Note 1 a
Textorganisation (Autorenkorrektur – Kategorie 2 – 10 Min.): Berufsfachschulen: Florian Weidemann – Städt. Berufsfachschule f. Büroberufe Würzburg: 92 Korrekturen, 2 Fehler, Note 1, 8.700 Punkte. Berufsschulen: Tobias Rost – Staatl. Berufsschule Forchheim: 115 Korrekturen, 1 Fehler, Note 1, 11.250 Punkte. Gymnasien: Benjamin Dombert – Ludwigsgymnasium Straubing: 101 Korrekturen, 1 Fehler, Note 1, 9.850 Punkte. Hauptschulen: Corinna Hackl – Hauptschule Kirchberg: 103 Korrekturen, 4 Fehler, Note 1, 9.300 Punkte. Realschulen: Michael Heid – Wolffskeel-Schule, Staatl. Realschule II Würzburg: 120 Korrekturen, 6 Fehler, Note 1, 10.500 Punkte. Wirtschaftsschulen: Carina Schneider – Städt. Wirtschaftsschule Eggenfelden 99 Korrekturen, 1 Fehler, Note 1, 9.650 Punkte
Die Landessieger der sechs teilnehmenden bayerischen Schularten werden wieder im Spätherbst im Bayerischen Staatsministerium im festlichen Rahmen empfangen und geehrt.
Bayer. Senioren-Meisterschaften am 9./10. Oktober 2004 in Straubing
An den diesjährigen Bayer. Senioren-Meisterschaften, die alle zwei Jahre stattfinden, nehmen Wettschreiber(innen) aus neun bayerischen Vereinen aller Bezirksverbände in drei Disziplinen (Tastschreiben, Kurzschrift und Kombinationswertung) teil. Gastgebender Verein ist der Stenoverein 1859 Straubing e. V. Der Wettbewerb findet in der Jakob-Sandtner-Schule – Staatl. Realschule für Knaben Straubing – statt. Wir wünschen allen Teilnehmern eine gute Anreise, viel Erfolg und zwei schöne, erlebnisreiche und gesellige Tage in Straubing!
Termine:
24. September 2004 Schwäbische Bezirksversammlung in Meitingen
9. bis 10. Oktober 2004 Bayerische Senioren-Meisterschaften in Straubing
20. Oktober 2004 Stadtmeisterschaften (Vereinsmeistersch.) des Stenovereins Straubing
23. Oktober 2004 Offene Meisterschaften des Bezirksverb. Schwaben in Meitingen
23. Oktober 2004 Oberfränkische Bezirksversammlung in Kronach
6. November 2004 16. Bundespokalschreiben in Schleswig
20. November 2004 Siegerehrung des Bezirksverbandes Schwaben in Meitingen
19. Februar 2005 Verbandsversammlung des BStV in Regensburg
10. April 2005 Mitgliederversammlung des DStB in Bad Nauheim
23. bis 24. April 2005 Bayerische Meisterschaften in Selb
4. bis 7. Mai 2005 Deutsche Meisterschaften (voraussichtlich in Butzbach)
23. bis 29. Juli 2005 45. Intersteno-Kongress in Wien
5. November 2005 17. Bundespokalschreiben in Dülmen
3. Dezember 2005 Deutsche Senioren-Meisterschaften in Erfurt
Herausgegeben vom Verlag Stenographen-Zentralverein
Gabelsberger in München 1849 e. V.,
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Schriftleiter: Dr. Hans-Andreas Kroiß, Uhlandstr.
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Druck: Druck und Verlagshaus Alois Erdl oHG, 83308 Trostberg. - Erscheint 3mal pro Jahr.
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Den »Bayer. Blättern für Stenographie« liegt das
»Mitteilungsblatt des StZV« bei.